Ein Jahr im Kinderhaus aus Sicht einer Mutter
Wieder ist September, das neue Kindergartenjahr beginnt. Für mich ein Grund aufzuatmen: in den Sommerferien war es nicht immer leicht, meine großen Kinder, drei und fünf Jahre alt, bei Laune zu halten und dabei noch genügend Zeit für meine beiden im Mai geborenen Zwillings-Babies zu finden. Die durch das Kinderhaus entstehenden Freiräume tun Wunder für meine Ausgeglichenheit - und die wiederum kommt meinen "vielen" Kindern zugute. So ist es nicht erstaunlich, dass auch meine ganz Kleinen schon auf der Warteliste für die Krabbelgruppe stehen...
Kaum zu glauben: für meine große Tochter beginnt schon das fünfte Jahr als "Kinderhaus-Kind". Im September wird sie in die Schule kommen. Ihre dreijährige Schwester war zwei Jahre lang in der Krabbelgruppe, heuer wechselt sie in den Kindergarten. Für sie steht jetzt die Umstellung an von der Geborgenheit und großen Ruhe der Krabbelgruppe mit nur 10 Kindern und zwei Erzieherinnen zum Kindergarten. Mit dreimal 15 Kindern, den dazugehörigen ErzieherInnen, neuen Angeboten und Räumen ist der für die Kleinen erst einmal vergleichsweise schwer zu überblicken.
Aber die Ex-Krabbler sind gut vorbereitet: schon im vergangenen Sommer haben sie immer wieder einmal einen halben Tag im Kindergarten verbracht oder mit den "Großen" gefrühstückt. Trotzdem ist von den Erzieherinnen voller Einsatz gefordert: den Kleinen muss der Übergang so leicht wie möglich gemacht werden, gleichzeitig müssen die Erzieherinnen voll für die anderen Kinder der Gruppe da sein. Am Anfang des Schuljahrs müssen auch die Schulanfänger intensiv betreut und in ihrer neuen Rolle gewürdigt werden - und nicht zuletzt zu unterschiedlichen Zeiten von verschiedenen Grundschulen abgeholt werden.
Auf dem ersten Elternabend des Jahres im Oktober lassen wir uns aber dann gerne davon überzeugen, dass unsere Kinder sich schon recht gut in ihre neue Gruppe eingelebt haben, bzw. nach den Ferien wieder voll eingestiegen sind. Zusätzliche Angebote wie Chor und Englisch kommen in Schwung. Eines der wichtigen, interessanten aber zeitintensiven (und manchmal zugegeben auch nervenaufreibenden) Ämter im Kinderhaus, etwa Gruppen-Elternbeirat, kommt dieses Jahr für mich wegen meiner beiden Kleinen nicht in Frage.
Anfang November beginnt mit Sankt Martin der alljährliche Feste-Reigen. Trotz Glühwein leicht bibbernd wandern wir mit den Kindern und ihren Laternen durchs noch nicht so ganz nächtliche Haidhausen. Am Lagerfeuer im Kinderhaus-Garten teilen sich die Kinder Martins-Gebäck. Am 6. Dezember kommt der Nikolaus ins Kinderhaus, traditionell eine Veranstaltung ohne Eltern, - außer einer der Väter muss den Nikolaus geben. Weil aber keine noch so dichte Gesichtsbehaarung dem kritischen Blick unserer Kinder standhält, wird das möglichst vermieden.
Dann wird es endgültig ernst mit der Weihnachtszeit: An unserem Weihnachtsfeier-Kaffeenachmittag führen die Kinder im Toberaum das Theaterstück vom "Hirten Simon" auf. Danach gibt es ein paar Weihnachtsgeschenke und die Leckereien, für die Eltern und Erzieherinnen gesorgt haben.
Was Elternmitarbeit betrifft, gehöre ich eher noch zur "alten Schule" und bedaure manchmal schon, dass das enge Zusammenrücken der Eltern und deren Bereitschaft zum intensiven, praktischen Engagement im Kinderhaus am Abnehmen sind. Dennoch bin auch ich sehr froh, dass dieses Jahr während der krankheitsschwangeren Wintermonate dank professioneller Organisation kaum Elterndienste notwendig werden.
Im Februar veranstalten wir einen Putz- und Renovierungs-Samstag: Vor zwei Jahren haben einige Eltern den Gruppenraum generalüberholt. Eine der Wände ist uns damals aber vielleicht etwas zu bunt geraten, die neue weiß-hellgelbe Lasur lässt aber nun wirklich nichts mehr zu wünschen übrig.
Der Kinderhaus-Fasching steht dieses Jahr unter Spuk- und Gruselmotto. Neben Gespenstern, Fledermäusen und Vampiren tummeln sich aber auch jede Menge Tiere, Pippi-Langstrumpfs, Blumenfeen, Prinzessinnen und Clowns in Haus und Garten.
An der Dekoration der Gruppenräume sieht man langsam, dass der Frühling und die Osterzeit ihren Einzug halten. Immer weniger der "Werke" meiner Kinder, die ich jede Woche pfundweise nach Hause schleppe, haben das Christkind zum Thema... Auch der Garten belebt sich zusehends. Im Lauf des Winters sind viele neue Schlammlöcher entstanden; in denen läßt es sich prima spielen, wie ich an den Klamotten meiner Kinder merke.
Dennoch findet Anfang April ein Gartenwochenende statt, bei dem Teile des Kinderhaus-Gartens neu begrünt werden. Wie immer schleppt man sich nach dem Frühstück eher aus Pflichtbewußtsein als aus unmäßiger Lust am Schaufeln und Schnippeln ins Kinderhaus, aber dann macht es - wieder einmal - erstaunlich viel Spaß.
Für Mitte Mai planen wir, dass die größeren Kindergarten- und die Schulkinder der Gruppe zusammen mit den Erzieherinnen ein paar Tage in ein Landschulheim nach Valley fahren. Am Wochenende kommen dann die Kleineren zusammen mit den Eltern nach.
Solche Ausflüge, mit und ohne Eltern, sind ein wichtiger Programmpunkt in jedem Kindergartenjahr. Die Kinder finden es toll, mal rund um die Uhr mit ihren Freunden und ErzieherInnen zusammen zu sein. Aber auch ich, bekennender Feind von Gruppen-Urlaub und Berghütten-Romantik, konnte mich inzwischen mit diesen Aktionen anfreunden.
Im Frühsommer werden dann Kristallkugel und Mondkalender konsultiert: Wann ist der ideale Termin für das Kinderhaus-Sommerfest? Hokuspokus oder Glück, bisher hatten wir meist einigermaßen gutes Wetter. Wenn dann noch ein gutes Motto gefunden ist, entwickeln die Eltern der Gruppen, abwechselnd zuständig für die Organisation von Essen, Trinken, Programm und Dekoration, jedes Jahr wieder erstaunlichen Ehrgeiz, um das Sommerfest zu einem besonderen Ereignis und einem schönen Abschluss des Kindergarten-Jahres zu machen.
