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Jari im Kinderhaus - Rückblick auf eine glückliche Zeit

Jari, ein Junge mit Down-Syndrom, hat ein Jahr lang einen Vormittag wöchentlich in der Krabbelgruppe des Kinderhauses verbracht und ein Jahr in Vollzeit. Der Abschied - Jari sollte als Kindergartenkind in eine Integrationsgruppe wechseln - fiel allen Beteiligten schwer.
Hier berichten seine Eltern über Jaris Zeit im Kinderhaus Haidhausen.

Als uns Mitte 1999 von der Frühförderung gesagt wurde, unser Jari brauche mehr Kontakt mit Kindern, mehr "Input", hatten wir familiär und gesundheitlich relativ schwierige Zeiten hinter uns. Hätten wir nicht durch Zufall davon erfahren und sehr unkompliziert die Möglichkeit bekommen, Jari für einen Vormittag wöchentlich zu den "Krabblern" zu bringen - wer weiß, ob wir diesen Schritt so schnell und so gut geschafft hätten?

Jari war zwei Jahre alt, als er zu den "Wolkenzwergen" ins Kinderhaus kam. Aufgrund des Down-Syndroms und der damit verbundenen Entwicklungsverzögerung konnte er noch nicht laufen und machte eben die ersten Sprechversuche. Sehr schnell konnten wir ihn allein in der Gruppe lassen, denn Ulli und Daniela, die Erzieherinnen, hatte er sofort ins Herz geschlossen, ähnlich wie Gülsay im zweiten Jahr. Den Kindern begegnete er wohl lange Zeit eher zurückhaltend, vielleicht auch deshalb, weil er so sehr mit Beobachten beschäftigt war.

Schon nach kurzer Zeit bekamen wir den Eindruck, dass Jari umsetzen wollte, was er bei den Krabblern gesehen hatte. Zum Beispiel fing er an, immer Donnerstagabend nach seinem Kinderhausbesuch sich hinzustellen und ein Beinchen zu heben: Er übte laufen. Und bald konnte er es. Jetzt ging er los, sich Schritt für Schritt die Krabbelgruppe und das Kinderhaus zu erobern. Im Flug verging das erste Kindergartenjahr.

Sehr überrascht und glücklich waren wir über das Angebot, Jari im folgenden Jahr ganz in die Krabbelgruppe zu geben. Ja, er selbst schien nur darauf gewartet zu haben. Die von uns geplante Eingewöhnungsphase kürzte er rigoros ab, indem er bereits am ersten Tag, als er vor dem Mittagessen abgeholt wurde, Enttäuschung darüber zeigte, dass er nicht mit den anderen Kindern essen durfte. Am zweiten Tag holten wir ihn nach dem Essen, und er war höchst unwillig, weil er mit den anderen schlafen gehen wollte. Damit war alles klar, unser Jari war endgültig integriert und ein begeistertes Kinderhauskind bis zum letzten Tag.

Auch das zweite Jahr verging im Sauseschritt. Jari machte große Entwicklungssprünge in allen Bereichen, und wurde immer selbstbewusster und selbständiger Er war einfach gut aufgehoben und glücklich. Am meisten liebte er die Bücher und die Musik, das Singen in der Gruppe, die Trommeln und Instrumente mit Matthias. Er lernte "frech" zu sein, Konflikte auszuhalten und sich durchzusetzen. Eine seiner Lieblingsbeschäftigungen wurde, andere zu "tratzen" und zu "kitzeln". Er schien mit seiner Fröhlichkeit allseits beliebt zu sein und dies sehr zu genießen. Er kannte alle Leute, ob groß oder klein, und fühlte sich im ganzen Haus daheim.

Wir konnten nie feststellen, dass Jaris Behinderung für das Kinderhaus in irgendeiner Weise ein Problem gewesen wäre, er war einfach dabei wie alle anderen Kinder auch. Nur für uns Eltern war es phasenweise schmerzlich, zu beobachten, wie unser Kind nach und nach von Jüngeren überholt wurde, wie sich deshalb manche gelungenen Kontakte veränderten und wieder lösten. Aber wir sind froh, dass wir diese unausweichlichen Erfahrungen im wohltuenden und geschützten Rahmen des Kinderhauses machen durften. Für Jari selbst war dies wohl weniger schwierig, denn er bevorzugte dann eben mehr den Kontakt mit Kindern, die gerade seinem Entwicklungsniveau entsprachen.

Die allermeiste Zeit jedoch "vergaßen" wir, dass unser Jari anders ist, und fühlten uns "ganz normal". Dieses Zurückfinden in die Normalität verdanken wir zu einem großen Teil der offenen und doch Geborgenheit bietenden Atmosphäre des Kinderhauses. Ganz besonders verdanken wir es den Erzieherinnen, allen voran Ulli, die uns mit ihrer einfühlsamen Aufmerksamkeit und unkomplizierten Selbstverständlichkeit lehrten, unserem Kind viel mehr zuzutrauen, als wir es von uns aus getan hätten.

Über die ganze Zeit banden wir uns als Familie nicht so sehr ans Kinderhaus, wie es uns lieb gewesen wäre, aus dem Bewusstsein heraus, dass unsere Zeit auf die Krabblerphase beschränkt bleiben würde. Und dennoch wurde der Abschied sehr schwer, nicht nur uns Eltern, sondern auch Jona, Jaris großem Bruder, der es sehr genossen hatte, bei Festen oder im Garten mitzuarbeiten und dazuzugehören.

Unser Hauptbetroffener selbst war gut vorbereitet und akzeptierte schnell, dass er nun als Großer in einen großen Kindergarten wechseln musste. Jari spricht noch oft vom Kinderhaus und freut sich riesig, wenn wir jemand von dort treffen. Zum Glück fand er in der Integrationsgruppe der neuen Einrichtung sehr zugewandte und engagierte Erzieherinnen, die uns immer wieder ihr Erstaunen darüber vermitteln, wie groß Jaris soziale Fähigkeiten, sein Selbstwertgefühl und seine Selbständigkeit sind. Er kommt eben aus gutem Hause: aus dem Kinderhaus.

Für Jari und unsere ganze Familie gilt es im vollen Umfang: ziemlich klein reingegangen und ganz schön groß rausgekommen. - Es war eine glückliche, sonnendurchflutete Zeit.

© W.H., G.B.


Dies ist die Druckversion von Informationen über das Kinderhaus Haidhausen, Sedanstraße 35a, 81667 München. Neuanmeldungen jeden Dienstag außerhalb der Schulferien von 16 - 18 Uhr. Das Kinderhaus-Telefon ist besetzt am Montag und Mittwoch von 9-11 Uhr, sonst AB: (089) 480 26 90. E-Mail: kinderhaus-haidhausen@gmx.eu.